Leipziger Universitätschor
Der Leipziger Universitätschor kann heute auf eine über 75-jährige erfolgreiche künstlerische Arbeit zurückblicken. Unter den Universitätsmusikdirektoren Friedrich Rabenschlag (1926–1962), Hans-Joachim Rotzsch (1963–1973), Max Pommer (1973–1987), Wolfgang Unger (1987–2004) und seit 2005 unter David Timm hat sich der Leipziger Universitätschor, hervorgegangen aus dem »Madrigalkreis Leipziger Studenten«, eine bedeutende Position im Musikleben der Stadt Leipzig und weit darüber hinaus erworben.
Das Repertoire des Chores beinhaltet Chormusik aller Stile und Epochen, vom Volkslied bis zu den großen Oratorien (u.a. Bach »h-Moll-Messe«, Brahms »Ein deutsches Requiem«, Dvořák »Stabat mater«, Händel, Haydn »Die Schöpfung«, »Die Jahreszeiten«, Mozart »Requiem d-Moll«, »Krönungsmesse«, Orff »Carmina burana«), wobei die Werke Johann Sebastian Bachs einen zentralen Platz einnehmen. Seine großen Passionen nach St. Matthäus und St. Johannes kommen seit 1952 jährlich im Wechsel mit den Thomanern, das Weihnachtsoratorium alljährlich mit namhaften Solisten des In- und Auslandes zur Aufführung. Gastdirigenten der letzten Jahre waren u.a. Helmuth Rilling (Stuttgart), Jacques Grimbert (Paris) sowie John Floreen und Jean Berger (USA). Hinzu kommen a-cappella-Konzerte unter besonderer Berücksichtigung der Vokalkompositionen von Schütz, Bach, Mendelssohn Bartholdy, Bruckner, Reger (Leipziger Universitätsmusikdirektor 1907–1908), Distler, Schönberg, Britten, Kodály, Eben, Duruflé, Poulenc, Bernstein und Penderecki. Alle Leiter des Leipziger Universitätschores maßen und messen dem zeitgenössischen Schaffen besondere Bedeutung bei, was sich in zahlreichen Ur- und Erstaufführungen widerspiegelt (Chorwerke u.a. von E. Pepping, A. Schnittke »Requiem«, K.O. Treibmann »Der Frieden« und »Hoffnungslied«).
Der Leipziger Universitätschor wird regelmäßig zu Funk- und CD-Aufnahmen verpflichtet; er wirkte in einer Verfilmung der Bachschen Johannes-Passion mit und brachte das Werk mehrfach in einer stark beachteten szenischen Version zur Aufführung (Regie: Mathias Behrends). Völlig neues Terrain erschloß sich der Chor mit einer Inszenierung der Mozartschen »Zauberflöte« im Rahmen der »II. Leipziger Universitätsmusiktage«. Konzertreisen führten das Ensemble in viele Länder Europas und die USA. Der Chor nahm außerdem an verschiedenen Musikfestivals teil. So bei »Europa cantat«, der »Musikwoche Hitzacker«, dem »Bad Kissinger Sommer«, an den »Internationalen Händelfestspielen« in Halle/S., den »Dresdner Musikfestspielen«, den »Festtagen der Chorsinfonik« in Berlin, an internationalen Chorfestivals in Polen, der ČSSR und Frankreich (Musikfestival »La Chaise Dieu«), an den Deutschen und Internationalen Bachfesten sowie an den regelmäßig wiederkehrenden »Leipziger Universitätsmusiktagen«.
Die Zusammenarbeit mit renommierten Orchestern und Ensembles wie dem Neuen Bachischen Collegium Musicum (gegründet von Max Pommer), dem Leipziger Kammerorchester, dem Westsächsischen Symphonieorchester, dem Weimarer Barock-Ensemble, dem Trompeten Consort Friedemann Immer, dem Pauliner Kammerorchester und Barockensemble (gegründet von Wolfgang Unger in Erinnerung an die vernichtete Universitätskirche St. Pauli) sowie die Mitwirkung nationaler und internationaler Gesangs- und Instrumentalsolisten sichern dem Chor seit jeher chorsinfonisches Musizieren auf höchstem Niveau, vorrangig im Rahmen der »Leipziger Universitätsmusik«. Für die Einspielung der »Liturgischen Sätze« von Hugo Distler erhielt der Chor den Echo-Klassik-Preis 2001.
Zu den Aufgaben des Chores gehört nach der politischen Wende auch wieder die regelmäßige musikalisch-liturgische Ausgestaltung der Universitätsgottesdienste und der Universitätsvespern am Paulineraltar der 1968 gesprengten Universitätskirche in der Thomaskirche.
Im Leipziger Universitätschor singen heute ca. 80 Studenten der verschiedenen Fakultäten.
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